Mercedes-Benz E220d W213
2016-2023Aktualisiert: März 2026
2016-2023 · 2.0L OM654 turbodiesel (194 hp)
Die W213 E-Klasse war von 2016 bis 2023 die Business-Limousine von Mercedes-Benz, und der E220d ist das meistverkaufte Dieselmodell. Er nutzt den OM654, den ersten Vierzylinder-Diesel von Mercedes mit Aluminium-Motorblock, der sparsam und laufruhig auf der Autobahn ist. Das 9G-Tronic Neungang-Automatikgetriebe arbeitet im Allgemeinen geschmeidig. Verarbeitungsqualität und Interieur liegen über dem Niveau der meisten Konkurrenten, doch die zunehmende elektronische Komplexität dieser Generation führt zu überdurchschnittlich vielen Werkstattbesuchen für Sensoren und Software.
Sparsamer und laufruhiger Diesel
Hochwertige Verarbeitung und Komfort
Kipphebel-/Nockenwellenverschleiß am OM654
AdBlue-System störungsanfällig
Kaufen, wenn: Sie suchen einen komfortablen Langstrecken-Cruiser und finden ein Modell ab 2019 mit lückenlosem Serviceheft und erledigten Rückrufen.
Vermeiden, wenn: Sie fahren hauptsächlich Kurzstrecke in der Stadt (DPF- und AdBlue-Probleme) oder können gelegentliche Sensor- und Ventiltrieb-Reparaturen nicht einplanen.
Erwartete jährliche Wartungskosten
Bekannte Probleme häufigste zuerst
Rollenkipphebel verschleißen vorzeitig und verursachen unruhigen Leerlauf sowie Klopfgeräusche aus dem Ansaugtrakt · mehr· weniger
Der OM654 hat eine gut dokumentierte Schwachstelle im Ventiltrieb. Die Rollenkipphebel verlieren an der Kontaktfläche mit den Nockenwellennocken die Schmierung, was zu vorzeitigem Verschleiß führt. Erste Symptome sind ein tiefes Brummen oder Ploppen, das am Luftfilterkasten im Leerlauf hörbar ist. Bei frühzeitiger Erkennung müssen nur die Kipphebel und Hydrostößel getauscht werden (Teile ca. 400-600 €, Arbeitszeit ca. 7 Stunden). Wird das Problem ignoriert, zerkratzen die verschlissenen Kipphebel die Nockenwellennocken, was einen Austausch von Nockenwelle und Lagergehäuse für insgesamt 1.500-3.000 € erfordert. Spezialisierte Mercedes-Werkstätten berichten, dass sie zwei Nockenwellensätze pro Woche tauschen — ein Hinweis auf die Verbreitung des Problems. Ausfälle treten typischerweise zwischen 100.000-200.000 km auf, wobei frühere Produktionsmodelle (2016-2018) häufiger betroffen sind. Mercedes hat überarbeitete Kipphebel mit neuer Teilenummer herausgebracht, was auf eine Designänderung hindeutet. Hochwertiges Öl und strikte Ölwechselintervalle verzögern das Auftreten.
NOx-Sensoren degradieren durch Abgashitze und lösen eine Countdown-Warnung aus, die den Motorstart verhindert · mehr· weniger
Der W213 E220d hat zwei NOx-Sensoren im Abgassystem als Teil des SCR-Systems (Selektive Katalytische Reduktion). Diese Sensoren sind extremer Hitze ausgesetzt und können degradieren, was die alarmierende Meldung ‚Kein Neustart in X km' auslöst. Ein einzelner NOx-Sensor kostet inklusive Einbau ca. 350-500 €. In manchen Fällen löst der Sensortausch das Problem nicht — dann muss auch das AdBlue-Einspritzventil oder das Dosierventil ersetzt werden (300-600 €). Kristallisation von AdBlue am Schwimmersensor im Tank ist ein weiteres häufiges Problem, das sich manchmal durch einfaches Ablassen und Neubefüllen mit Marken-AdBlue beheben lässt. Im schlimmsten Fall muss die komplette AdBlue-Tank- und Pumpenbaugruppe für 1.500-2.000 € ersetzt werden. Mercedes' Lösung gegen Kondenswasser an den Sensoren ist eine Ablassbohrung im Auspuff — eine einfache, aber wirksame Maßnahme. Fahrzeuge, die lange stehen oder mit No-Name-AdBlue betankt werden, sind anfälliger.
Luftfedern werden nach 6-10 Jahren undicht, das Fahrzeug sackt über Nacht ab · mehr· weniger
Viele W213 E-Klasse Modelle wurden mit AIRMATIC-Luftfederung bestellt. Die Gummi-Luftfedern werden mit der Zeit spröde und reißen, wodurch Luft entweicht. Symptome sind ein einseitig tieferes Fahrzeugniveau nach dem Abstellen über Nacht oder ein übermäßig laufender Kompressor. Ein einzelnes OEM-Luftfederbein kostet ca. 800-1.200 € pro Ecke, plus 300-500 € Arbeitskosten. Aftermarket-Federbeine von Herstellern wie Arnott oder Bilstein sind für 500-800 € erhältlich. Der Kompressor kann durch Überlastung (bei schleichendem Luftverlust) ebenfalls ausfallen und kostet zusätzlich 600-1.000 €. Fahrzeuge mit Stahlfederung sind nicht betroffen. Beim Kauf prüfen, ob das Fahrzeug AIRMATIC hat (erkennbar an den Niveauregelungsschaltern) und idealerweise über Nacht stehen lassen — das Fahrzeug sollte die Höhe halten.
Die vakuumgesteuerte Kühlmittelpumpe kann Kühlmittel in das Vakuumsystem leiten und so Brandgefahr verursachen · mehr· weniger
Im Januar 2022 warnte Mercedes ca. 800.000 Besitzer von OM654- und OM656-Dieselfahrzeugen (Baujahr Januar 2017 bis Oktober 2021) vor einer möglichen Brandgefahr durch Kühlmitteleintritt in das Vakuumsystem über die Kühlmittelpumpe. Wenn Kühlmittel bestimmte elektrische Schaltventile berührt, kann eine elektrochemische Reaktion zur Überhitzung führen. Mercedes hatte zunächst keine Ersatzteile verfügbar und riet Besitzern, besonders vorsichtig zu fahren. Ein offizieller Rückruf folgte 2022 mit kostenloser Reparatur beim Händler. Beim Gebrauchtkauf unbedingt per FIN (Fahrzeug-Identifizierungsnummer) prüfen, ob dieser Rückruf erledigt wurde. Bei durchgeführtem Rückruf entstehen keine Kosten. Falls der Rückruf versäumt wurde und die Pumpe außerhalb der Rückrufabdeckung ausfällt, liegt der Ersatz bei ca. 500-800 €.
Kunststoff-Kettenführungen können bei hoher Laufleistung durch Hitze brechen und zu schweren Motorschäden führen · mehr· weniger
Der OM654 verwendet Steuerkettenführungen aus Kunststoff, die durch Hitze und Alterung rissanfällig sind. Wenn eine Führung bricht, kann die Kette überspringen und Ventile oder Kolben beschädigen. Ein Rückruf (RC3021, Mai 2022) betraf den vorzeitigen Steuerkettenverschleiß bei Modellen von 2016-2018. Für nicht vom Rückruf betroffene Fahrzeuge wird ein vorbeugender Austausch zwischen 160.000-200.000 km empfohlen, wenn Geräusche beim Kaltstart auftreten. Ein kompletter Steuerkettensatz (Kette, Führungen, Spanner) kostet inklusive Arbeitskosten ca. 1.500-2.500 € bei einer freien Fachwerkstatt. Wenn die Kette bereits übergesprungen ist und Ventilschäden verursacht hat, können die Kosten auf 3.000-4.000 € oder mehr steigen. Hochwertiges Öl und regelmäßige Ölwechsel verringern das Risiko vorzeitiger Führungsdegradation. Die meisten Besitzer erreichen 150.000+ km ohne Probleme.
Der DPF setzt sich zu, wenn das Fahrzeug überwiegend für kurze Stadtfahrten genutzt wird · mehr· weniger
Wie bei allen modernen Dieseln benötigt der DPF des E220d dauerhaftes Fahren bei Autobahngeschwindigkeit (80+ km/h für 15-30 Minuten) zur Regeneration. Fahrzeuge, die überwiegend auf Kurzstrecken bewegt werden, sammeln Ruß schneller an, als er abgebrannt werden kann. Eine erzwungene Regeneration in der Werkstatt kostet 150-300 €. Professionelle Ultraschall-DPF-Reinigung liegt bei 300-500 €. Ein kompletter DPF-Austausch kostet 1.500-2.000 €, ist aber vor 200.000 km bei vernünftiger Nutzung selten nötig. Beim Gebrauchtkauf die Durchschnittsgeschwindigkeit im Bordcomputer prüfen — unter 25 km/h deutet auf starke Stadtnutzung und höheres DPF-Risiko hin. Ein Diagnosescan mit DPF-Rußbeladung über 60 % zeigt Regenerationsprobleme an.
Das Getriebe kann bei niedriger Geschwindigkeit Zögern oder Ruckeln zeigen, oft durch ein Software-Update behebbar · mehr· weniger
Einige W213 E220d Besitzer berichten von ruckartigen Gangwechseln, besonders zwischen dem 1. und 3. Gang bei niedriger Geschwindigkeit oder beim Einparken. In den meisten Fällen wird dies durch ein TCU-Software-Update (Getriebesteuergerät) beim Mercedes-Händler behoben, oft kostenlos im Rahmen von Kulanz. Eine Getriebe-Stillstandsadaption kann ebenfalls erlernte Schaltmuster korrigieren. Wenn das Problem nach Software-Updates bestehen bleibt, sollte das ATF (Automatikgetriebeöl) gewechselt werden — Mercedes empfiehlt alle 60.000 km, obwohl das Getriebe als wartungsfrei beworben wird. Ein kompletter ATF-Service kostet ca. 400-600 €. Hardware-Defekte am 9G-Tronic sind selten, aber Mechatronik-Probleme können 1.000-1.500 € kosten, falls sie auftreten.
Komfortabler Cruiser mit bekannter OM654-Ventiltrieb-Schwäche
Der W213 E220d ist komfortabel, sparsam und gut verarbeitet, doch der OM654-Motor hat dokumentierte Ventiltrieb-Probleme (Kipphebel- und Nockenwellenverschleiß), die eine erhebliche Anzahl von Fahrzeugen ab 100.000 km betreffen. Das AdBlue-System ist eine weitere regelmäßige Quelle für Werkstattbesuche. Modelle ab 2019 sind generell zuverlässiger, da Mercedes frühe Produktionsschwächen behoben hat. Fahrzeuge mit AIRMATIC-Luftfederung bedeuten ein weiteres potenzielles Kostenrisiko. Planen Sie Sensortausch ein und halten Sie die Ölwechselintervalle strikt ein — der OM654 belohnt sorgfältige Wartung.
Checkliste für die Kaufinspektion
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Serviceheft
Lückenlose Aufzeichnungen von Mercedes-Vertragswerkstatt oder Fachwerkstatt unerlässlich. Ölwechsel alle 12 Monate oder 15.000 km prüfen. Auf 9G-Tronic ATF-Wechsel achten.
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Reifen
Profiltiefe, Alter (DOT-Nummern) und ungleichmäßigen Verschleiß prüfen. Hinterreifen verschleißen typischerweise schneller. Standardgröße ist 225/55 R17.
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Kaltstart
Motor komplett kalt starten. In den ersten 30 Sekunden auf Steuerkettenrasseln achten und auf tiefes Brummen aus dem Ansaugbereich.
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Probefahrt
Mindestens 30 Minuten inklusive Autobahngeschwindigkeit. Auf Schaltvorgänge bei niedriger Geschwindigkeit und Warnmeldungen im Display achten.
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Auf Kipphebel-Brummen im Leerlauf achten
Bei warmem Motor im Leerlauf am Luftfilterkasten auf tiefes Ploppen oder Brummen hören. Dies deutet auf verschlissene Kipphebel hin. Von einer Fachwerkstatt mit Stethoskop bestätigen lassen.
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Auf AdBlue- oder NOx-Sensor-Warnungen prüfen
Auf AdBlue-bezogene Warnungen oder Countdown-Meldungen im Display achten. AdBlue-Füllstand und letzte Nachfüllung prüfen.
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Kühlmittelpumpen-Rückruf bestätigen
Für Dieselmodelle 2017-2021 per FIN bestätigen, dass der Rückruf wegen Vakuumleck an der Kühlmittelpumpe erledigt wurde. Dies betrifft eine Brandgefahr.
Tipp: Nutzen Sie einen Bluetooth-OBD2-Scanner, um bei der Besichtigung Fehlercodes auszulesen.
Rückrufe und technische Servicehinweise
Vakuumleck an Kühlmittelpumpe mit Brandgefahr (OM654 Diesel, Produktion Jan. 2017 - Okt. 2021)
Critical - verify completed
Vorzeitiger Steuerkettenverschleiß (2016-2018 E220d, Rückruf RC3021)
Verify completed
Falsche Verlegung der Dieselkraftstoffleitung mit Scheuergefahr (2016-2017 OM654, Rückruf RC2592)
Verify completed
Feuchtigkeit im Getriebe-Kabelbaum mit Brandgefahr (2018-2022)
Verify completed
Produktionsabweichung der Sicherungsmutter im Lenksystem (Modelljahr 2018, Rückruf RC2654)
Verify completed
12V-Batterieanschluss kann sich bei Kollision lösen, eCall betroffen (2018-2022)
Verify completed
Ausfall der Kraftstofffördereinheit mit Leistungsverlust (2021-2022)
Verify completed
Der W213 E220d hat eine erhebliche Anzahl von Rückrufen. Lassen Sie bei einer Mercedes-Benz Vertragswerkstatt mit der FIN prüfen, ob alle Rückrufe erledigt wurden. Der Rückruf wegen der Kühlmittelpumpe ist besonders kritisch, da er eine Brandgefahr betrifft. Kaufen Sie nicht ohne Bestätigung des Rückrufstatus.
Garantiestatus
Herstellergarantie (2 Jahre)
Bei den meisten gebrauchten W213 abgelaufen
Durchrostungsgarantie
30 Jahre (beim Händler prüfen)
Garantieverlängerung
Über Mercedes-Benz Vertragswerkstätten erhältlich
Die meisten gebrauchten W213 E220d sind außerhalb der originalen 2-Jahres-Herstellergarantie. Mercedes-Benz bietet Garantieverlängerungen über Vertragshändler an, diese schließen jedoch typischerweise bestehende Mängel aus. Die 30-jährige Durchrostungsgarantie kann noch gelten. Bei Fahrzeugen in den ersten Jahren prüfen, ob Kulanzleistungen für Kipphebel-Probleme möglich sind, da Mercedes den OM654-Defekt kennt.
Dieser Bericht dient nur zu Informationszwecken und stellt keine professionelle Beratung dar. Schätzungen können ungenau sein. Lassen Sie das Fahrzeug vor dem Kauf immer von einem qualifizierten Fachmann inspizieren. Wir übernehmen keine Haftung für Entscheidungen, die auf Grundlage dieser Informationen getroffen werden. Diese Seite enthält Affiliate-Links — wir erhalten ggf. eine kleine Provision, ohne Mehrkosten für Sie.